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Übungsreihenfolge: Was zuerst, was später?

Übungsreihenfolge: Was zuerst, was später?

Eine der ältesten Regeln des Trainings: "Erst große Verbundübungen; dann kleine Isolationsübungen." Diese Regel ist sinnvoll und in den meisten Fällen richtig. Aber die wissenschaftliche Literatur sagt uns, die Antwort auf die Frage "Was zuerst" je nach Ziel zu verfeinern.

Was beeinflusst die Reihenfolge, was nicht?

Die systematische Übersichtsarbeit von Simão und seinem Team (2012, Sports Med) fand ein klares Muster: Wird eine Übung an den Anfang der Einheit gesetzt, sind die Gesamtwiederholungen, die bewegte Last und der langfristige Kraftzuwachs bei dieser Übung höher. Das ist logisch — in nicht ermüdetem Zustand sind Sie bei dieser Bewegung stärker.

Auf der Hypertrophie-Seite verhält es sich aber anders. Die Meta-Analyse von Nunes und seinem Team aus dem Jahr 2020 zeigte, dass die Reihenfolge von Verbund- zu Isolationsübung (MJ→SJ) oder von Isolations- zu Verbundübung (SJ→MJ) keinen Unterschied bei der Hypertrophie macht (Effektgröße 0,03, p=0,86). Für das Muskelwachstum ist die Frage "in welcher Reihenfolge" also weitgehend unwichtig; Gesamtvolumen und Nähe zum Muskelversagen sind entscheidender.

Pre-Exhaustion: Mythos und Realität

Die Logik "Wenn ich vor dem Bench Flys mache, ermüde ich zuerst die Brust und isoliere sie dann beim Bench" ist sehr verbreitet. Brennecke und sein Team (2009, JSCR) testeten dies, und das Ergebnis ist das Gegenteil des Erwarteten: Pec-Deck-Flys vor dem Bench veränderten die Aktivierung von Pektoralis oder vorderer Schulter beim Bench nicht; dagegen erhöhten sie die Trizeps-Aktivierung signifikant um 18 %.

Pre-Exhaustion "isoliert" die Brust also nicht — im Gegenteil, dem Trizeps wird zusätzliche Arbeit aufgeladen. Das eröffnet einen Anwendungsbereich, der genau das Gegenteil des Mythos ist.

Praktische Regeln für den Trainer

  1. Ist das Ziel Kraft, setzen Sie diese Übung (z. B. Bench Press) an den Anfang der Einheit. Hier ist die Reihenfolge wirklich wichtig.
  2. Hat eine kleine Muskelgruppe Priorität (z. B. ein zurückbleibender Bizeps oder die hintere Schulter), scheuen Sie sich nicht, sie an den Anfang der Einheit zu setzen — die Hypertrophie leidet nicht darunter, im Gegenteil wird die priorisierte Gruppe frischer trainiert.
  3. Verwenden Sie Pre-Exhaustion nicht zur Brustisolation, sondern um die Trizepsbelastung zu variieren. Bei einem Klienten mit zurückbleibendem Trizeps ermüden Flys vor dem Bench den Trizeps an diesem Tag stärker — als bewusstes Werkzeug.
  4. Ändern Sie in einem vierwöchigen Block die Reihenfolge (Woche 1–2 Bench zuerst, Woche 3–4 Incline Press zuerst), damit die Verkettungsermüdung nicht immer dieselbe Bewegung trifft.

Kurz gesagt: "Von groß zu klein" ist ein guter Vorgabewert, aber kein absolutes Gesetz. Das Ziel des Klienten zu kennen, ist der Schlüssel, die Reihenfolge richtig aufzubauen.

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